Hurra, neues Laptop!
Zum Titel des Blogs: Ja, es ist wahr, ich habe einen neuen Laptop und hoffe doch sehr, dass der diesmal länger halten wird. Mein erster war ja schon nach einem Jahr kaputt, ganze fünfmal habe ich das Ding einschicken müssen, das zog sich wieder über ein Jahr hin, dann haben's mich einen neuen aussuchen lassen.
Das alte Gerät stammte aus dem Hause Siemens-Fujitsu, ich würde doch allen davon abraten, von denen ein Gerät zu kaufen, mein einjähriger Kampf war mir dann doch eine Lehre, dermaßen viele Schikanen und Fallstricke, damit man endlich zu seinen Rechten als Konsument kommt. Aber bei Siemens geht es ja sonst auch sehr drunter und drüber, wird wohl eine sehr zeitgeistige Firma sein und daher folgende Strategie verfolgen: Man behandle die Mitarbeiter möglichst schlecht (Rationalisierungsdamoklesschwert), die Konsumenten sind auch nur so lange interessant, bis sie was gekauft haben, dann sind sie nur mehr lästige Bittsteller. Und falls sie nach dem Kauf noch was brauchen, zum Beispiel eine Reparatur, verweist man sie an einen so genannten (natürlich outgesourcten) Servicepartner. Dort wird man natürlich zunächst an ein Call-Center geraten und muss dann den armen Damen ("blablabla, was kann ich für sie tun?") immer wieder von neuem sein Leid klagen (Buchbinder Wanninger, schau oba!) und sich sehr beherrschen, dass man dann nicht an den armen Callcentermenschen (fast immer Frauen) seinen Grant auslässt. Eine Nummer von einem "höheren", nun, die dürfen's einem ja nicht geben, aber dann sind diese hohen Tiere (fast immer Männer) doch so eitel, dass sie mit Namen, Titel und Durchwahl im Internet mit geringem Aufwand zu finden sind.
Wie auch immer, wird wohl ein Konzept dahinter stecken, denn wenn ich Manager bin, dann kann ich mich über solche Zustände ja nur freuen, denn das, was ich meinen Mitarbeitern an Lohn vorenthalte, gehört mir, und das, was der lästige Konsument ausgegeben hat, gehört auch mir, und falls der sich erfrecht, was zu wollen, dann habe ich ja meine treuen Callcenter-Damen, die ihn für ein mieses Gehalt abwimmeln dürfen.
Das ist dann wohl (laut Herbert Lachmayer in seinem Werk "Experiment Aufklärung") Managerabsolutismus unserer neoliberalistischen Leistungsgesellschaft, und das steht meinem ewig naiven humanistisch geprägten Fortschrittsoptimismus diametral entgegen.
Nun, es gibt ja auch wesentlich erfreuliche Dinge: Habe mir heute den Film "Marie Antoinette" angeschaut, und ich war schon wieder recht angetan von diesem Coppola-Werk, die schafft es halt immer wieder, dass ich mich beim Anschauen ihrer Filme in wohlig-dekadenter Melancholie wiederfinde. Und zum Drüberstreuen wurde Maria-Theresia von der guten alten Marianne Faithfull (war das nicht die Exfrau vom Ober-Stones Mick Jagger?) gespielt, hihi.
Und weil's ja schon recht weihnachtlich ist (man hängt auf den Straßen die Beleuchtung auf und bald wird es überall nach Glühwein und Punsch stinken...) erlaube ich mir, euch aus dem letzten Falter was zu exzerpieren:
"Die Metternich'schen Geheimpolizisten waren ganz aus dem Häuschen ob der seltsamen Sitten, die von zugereisten Juden aus Berlin eingeschleppt wurden. "Komische Lieder" wurden gesungen, alle "erhielten Geschenke oder Souvenirs", ist in einem Spitzelbericht über ein Fest im Hause der Berliner Jüdin Fanny von Arnstein zu lesen, die nach Wien geheiratet hatte. Der Ritus, den die Tochter des Vorstehers der jüdischen Gemeinde 1814 erstmals in Wien bekannt machte: das "Weihbaum- oder Christbaumfest", zelebriert nach "Berliner Sitte", wie der Polizeibericht vermerkt."
Jaja, so war's in der guten alten Zeit mit ihren uralten christlich-treudeutschen Bräuchen. Nur das mit dem totalen Überwachen der Bürger, diese Gefahr ist ja Gott sei's gedankt seit dem glorreichen Datenschützeraufstand gebannt.
Ciao
PS: Kommentare werden gerne gelesen
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